18. März 2016 DennisRobers

„Wow, ich habe keine Ahnung. Vielleicht irre ich mich.“

Vor Jahren machte ein guter Freund einen Radtrip von Providence, Rhode Island, nach Portland, Oregon. Er ist jung, sportlich und begeisterter Fotograf sodass ich nicht umhinkam mir nach seiner Wiederkehr die 1.217 besten Bilder seines Trips anzusehen.

Und gerade weil die Landschaft zugegebenermaßen Atemberaubend ist, fährt er die ganze Strecke über Nebenstraßen, durch Naturschutzgebiete und Nationalparks – im Grunde genommen die längste mögliche Route, die man überhaupt fahren und fotografieren kann.

Und irgendwo bei Bild 357 wende ich mich zu ihm und stelle eine Frage, die mich schon ca. 73 Bilder lang beschäftigt hat. „Was soll das chinesische Schriftzeichen bedeuten, das ich andauernd am Straßenrand sehe?“ Meine Freund sieht mich vollkommen verständnislos an.

„Du weißt schon, all die Schilder, die ich andauernd sehe, mit dem chinesischen Schriftzeichen drauf.“ Er starrt mich ein paar Sekunden lang bloß an und dann bricht es aus ihm heraus, weil er kapiert hat, wovon ich spreche. Und was ich meinte, ist Folgendes:

© Colourbox 2013

Richtig, das berühmte chinesische Schriftzeichen für Rastplatz.

Warum missverstehen wir manchmal die Zeichen um uns herum? Und wie verhalten wir uns, wenn es passiert. Tatsächlich tun die meisten von uns alles Mögliche, um zu vermeiden, über das Irren nachzudenken. Wir alle wissen, dass jeder der diesen Beitrag ließt Fehler macht.

Warum sind wir in dem Gefühl gefangen, recht zu haben? Und wie ist es möglich ist dieses Gefühl hinter sich zu lassen?

Warum also sind wir in dem Gefühl gefangen, recht zu haben?

Ein Grund hat tatsächlich etwas mit dem Gefühl zu tun, sich zu irren.
Wie fühlt es sich an – emotional gesehen – wie fühlt es sich an, sich zu irren? Fürchterlich! Peinlich!
Das sind großartige Antworten, aber es sind Antworten auf eine andere Frage. Sie beantworten die Frage: Wie fühlt es sich an, festzustellen, dass man sich irrt?

Festzustellen, dass man sich irrt, kann sich genau so und noch ganz anders anfühlen, richtig? Ich meine, es kann verheerend sein, es kann aufschlussreich sein, es kann tatsächlich sehr lustig sein, wie mein dummer Irrtum mit dem chinesischen Schriftzeichen. Aber sich bloß zu irren, fühlt sich nach gar nichts an.

Die Jagd nach dem Roadrunner
Erinnern Sie sich an den Cartoon „Loony Tunes“, mit diesem Mitleid erregenden Kojoten, der immer den Roadrunner jagt und ihn niemals fängt? In so ziemlich jeder Folge von diesem Cartoon gibt es den Moment, in dem der Kojote den Roadrunner jagt und der Roadrunner über eine Klippe rennt, was okay ist, denn er ist ein Vogel, er kann fliegen. Doch die Sache ist, der Kojote rennt gleich nach ihm über die Klippe. Und was daran lustig ist – zumindest wenn man sechs Jahre alt ist – ist, dass das für den Kojoten auch völlig in Ordnung ist. Er rennt einfach weiter – genau bis zu dem Moment, in dem er nach unten schaut und realisiert, dass er in der Luft schwebt. Das ist der Moment, in dem er fällt. Wenn wir uns bei etwas irren – nicht dann, wenn wir es realisieren, sondern davor – sind wir wie der Kojote, nachdem er über die Klippe gerannt ist und bevor er herunterschaut.

Wir irren uns schon, wir stecken bereits in Schwierigkeiten, aber wir denken, wir befinden uns auf festem Boden. Ich sollte also etwas korrigieren, was ich gerade eben geschrieben habe. Irren fühlt sich an, als ob wir recht hätten.

Dies ist also ein Grund, ein struktureller Grund, warum wir in dem Gefühl, recht zu haben, gefangen sind. Ich nenne dies Fehlerblindheit. Die meiste Zeit verfügen wir nicht über einen internen Fingerzeig, der uns darauf hinweist, dass wir uns bei einer Sache irren, bis es zu spät ist. Aber es gibt noch einen zweiten Grund, warum wir in diesem Gefühl gefangen sind – und dieser ist kulturell. Denken Sie kurz an die Grundschule zurück. Sie sitzen dort in der Klasse, und Ihre Lehrerin gibt Testbögen zurück und Ihrer ist, aufgrund der roten Farbe schon von weiten zu erkennen.
Setzen 6!
Sie wissen genau, was sie von dem Kind halten sollen, das diesen Bogen bekommt. Das ist das dumme Kind, das Ärger macht, eines, das nie seine Hausaufgaben macht. Sie haben gelernt, dass Menschen, die Sachen falsch machen, faule, verantwortungslose Dummköpfe sind – und zweitens, dass man im Leben erfolgreich ist, wenn man keine Fehler macht.

Wir lernen diese wirklich schlechte Lektion wirklich gut. Und viele von uns – und ich vermute, besonders viele von uns reagieren darauf, indem sie einfach kleine perfekte Einser-Schüler werden, Perfektionisten, Overachiever. Nicht wahr, Mr. CFO, Astrophysiker, Top Verkäufer? Scheinbar sind Sie alle CFOs, Astrophysiker und Top Verkäufer. Das ist okay. Außer, dass wir dann ausflippen bei der Möglichkeit, uns bei etwas geirrt zu haben. Denn gemäß dem hier bedeutet, wenn man etwas falsch macht, dass etwas mit uns falsch ist. Wir bestehen also darauf, dass wir recht haben, weil es uns das Gefühl gibt, smart und verantwortlich und talentiert und auf der sicheren Seite zu sein.

Denken Sie für einen Moment daran, wie es ist, sich im Recht zu fühlen. Es bedeutet, dass Sie denken, dass Ihre Überzeugungen einfach perfekt die Realität widerspiegeln. Und wenn Sie so fühlen, stehen Sie vor einem großen Problem, das da wäre: Wie können Sie sich all die Leute erklären, die nicht Ihrer Meinung sind?

Es ist so, die meisten von uns erklären sich diese Leute auf die gleiche Weise, indem sie auf eine Reihe von unglücklichen Annahmen zurückgreifen. Das erste, was wir machen, wenn man uns nicht zustimmt, ist anzunehmen, dass diejenigen ignorant sind. Sie haben keinen Zugriff auf dieselben Informationen wie wir und wenn wir diese Informationen großzügig mit ihnen teilen, werden sie das Licht am Ende des Tunnels erblicken und auf unsere Seite wechseln. Wenn das nicht funktioniert, wenn sich herausstellt, die Leute haben die gleichen Fakten wie wir und sie stimmen uns immer noch nicht zu, dann gehen wir über zu einer zweiten Annahme, die lautet, dass sie Idioten sind. Sie haben alle passenden Puzzlestücke und sie sind geistig nicht dazu in der Lage, sie korrekt zusammenzusetzen. Und wenn das nicht funktioniert, wenn sich herausstellt, dass Leute, die uns nicht zustimmen, die gleichen Fakten haben wie wir und auch noch ziemlich klug sind, dann gehen wir über zu einer dritten Annahme: Sie kennen die Wahrheit und sie verzerren sie absichtlich für ihre eigenen bösartigen Absichten. Das ist eine Katastrophe.

1.200 Jahre bevor Descartes seine berühmte Sache sagte von wegen, „Ich denke, also bin ich“, setzte sich dieser Mann namens St. Augustinus hin und schrieb, „Fallor ergo sum“ – „Ich irre, also bin ich.“ Augustinus verstand, dass unsere Fähigkeit, Dinge zu vergeigen, keine Art von peinlichem Defekt ist im menschlichen System, etwas, das wir ausrotten oder überwinden können. Es ist ein absolut fundamentaler Teil unseres Selbst und für mich die Quelle und Wurzel von all unserer Produktivität und Kreativität.

Wir brauchen diese Momente der Überraschung und Umkehr und des Irrtums, um diese Geschichten erzählen zu können.“ Wir lieben Sachen wie verdrehte Handlungen und falsche Fährten und ein überraschendes Ende. Wenn es um unsere Geschichten geht, lieben wir es, uns zu irren.

Aber, wissen Sie, unsere Geschichten sind so, weil unser Leben so ist. Wir denken, diese eine Sache wird passieren und irgendetwas anderes passiert statt dessen. Vielleicht haben Sie gedacht, Sie würden aufwachsen und ihre erste Liebe aus der Schulzeit heiraten und in Ihre Heimatstadt zurückziehen und zusammen eine paar Kinder großziehen. Und etwas anderes ist statt dessen passiert.

Wenn Sie wirklich die Verwunderung wiederentdecken wollen, müssen Sie heraustreten aus Ihrem kleinen, in Angst erstarrten Raum der Richtigkeit und sich gegenseitig anschauen und in die Weite und Komplexität und in das Rätsel des Universums hinausblicken und in der Lage sein, zu sagen, „Wow, ich habe keine Ahnung. Vielleicht irre ich mich.“

DennisRobers

Dennis Robers ist Experte für echtes, authentisches Verkaufen. Er gibt Führungskräften, sowie Sales-Mitarbeitern ein Verkaufs- und Kommunikationssystem und wertvolle Impulse für die tägliche Praxis. Neben seiner Vertriebserfahrung von über 15 Jahren beschäftigt er sich maßgeblich mit allen Ebenen der Kommunikation. Seine Verkaufstrainings sind die Grundlage, um Führungskräfte und Verkäufer in ihrem beruflichen Alltag zu begleiten und zu motivieren, sich selbst zu Bestleistung zu entwickeln.